büroforum – Mit OFML® zum Digitalen Champion im Einzelhandel

büroforum – Mit OFML® zum Digitalen Champion im Einzelhandel

Nutzung von Datenstandards (OFML®) für Einrichtungsprodukte zur Umsetzung einer Online-Dienstleistungsstrategie

Die zunehmende Digitalisierung bestimmt die Entwicklung des Handels, insbesondere des Einzelhandels, in vielfältiger Weise. Während sich häufig große Handelsunternehmen durch ihre Digitalisierungsvorhaben von ihren Wettbewerbern abheben, haben oftmals kleine und mittlere Händler Schwierigkeiten, mit den großen mitzuhalten und nicht den Anschluss zu verlieren.

Aber es existieren bereits zahlreiche bayerische kleine und mittlere Einzelhändler, die die Chancen des Internets und der Digitalisierung ergriffen und genutzt haben. Sie haben sich den Herausforderungen erfolgreich gestellt und in teils ganz unterschiedlichen Bereichen ihres Unternehmens ihre Position am Markt nachhaltig positiv beeinflussen können.

Einer dieser Digitalen Champions ist unser Kunde, büroforum – planen und einrichten GmbH. Wir gratulieren!

Über das Unternehmen

Inhaber und Geschäftsführer Jochen Bähr (l.) u. Daniel Rüttiger, büroforum GmbH
Inhaber und Geschäftsführer Jochen Bähr (l.) u. Daniel Rüttiger, büroforum GmbH
Bild: büroforum GmbH
Aus der früheren Möbelabteilung der Firma Schöll Büroorganisation GmbH gründete sich 1999 büroforum in Würzburg. Seitdem wird von dem inhabergeführten Unternehmen in Unterfranken aus regional, deutschlandweit und ins deutschsprachige Ausland mit 70 Mitarbeitern gearbeitet. Das Produktportfolio umfasst mittlerweile über 300 Marken für die moderne Objekt- und Büroeinrichtung. Zusätzlich werden auch Leuchten, Akustiklösungen, Glastrennwände und Raum-in-Raum-Lösungen konzeptionell angeboten. In der 1.000 Quadratmeter großen Ausstellung am Heuchelhof können viele dieser Produkte persönlich in Augenschein genommen oder getestet werden. Zusätzlich können viele der Möbel und Raumkonzeptionen im Online-Shop bueroforum.net/de/ im Detail betrachtet werden. Eine große Zahl der Produkte kann auch individuell nach Gestellvarianten, Stoffmuster, Holz- oder Lederart konfiguriert werden. Außerdem bietet die hausinterne Planungsabteilung mit mehreren Architektinnen individuelle Unterstützung bei der Innenraumfachplanung von Neu-oder Umbauten an. Der zweite Online-Shop für Designmöbel einrichten-design.de existiert seit 2005 und hat sich auf das Planen und Einrichten von Objekten mit hochwertigen Indoor- und Outdoor-Möbeln sowie Wohnaccessoires spezialisiert. Beide Unternehmen werden unter einem Dach von den Inhabern und Geschäftsführern Jochen Bähr und Daniel Rüttiger geführt.

„Wir wollen den Online-Einkauf von Möbeln mindestens genauso interessant, wenn nicht interessanter und einfacher machen wie Offline.“ (Jochen Bähr)

Ausgangssituation

Das büroforum ist nicht als Online-Shop gestartet, sondern als klassischer Büroeinrichter mit stationärem Geschäft für Tische, Stühle und Schränke. Mit dem stationären Verkauf von Büromöbeln begann vor 20 Jahren die Entwicklung hin zu einem Unternehmen mit mehreren Geschäftsfeldern, welche sich in zwei große Bereiche aufgliedern lassen: Das büroforum umfasst Projektgeschäft und Planung von Büroräumen sowie den Verkauf von Büromöbeln online und vor Ort. Der andere große Bereich des Unternehmens, einrichten-design, besteht aus einem Online-Shop für Designermöbel und -Accessoires, einer Wohnmöbelausstellung vor Ort am Heuchelhof und einem Citystore in der Würzburger Innenstadt. 2004 folgte der Umzug in das neue, vom Vater des Inhabers eigens entworfene und geplante Architektenbürogebäude am Heuchelhof im Süden von Würzburg (vgl. Abbildung 11). Das Gebäude mit seiner ruhigen und klaren Konzeption ist als Gewerbeobjekt ein Hingucker und passt zum Image des Unternehmens und vor allen Dingen zu den Produkten, die darin verkauft werden.
Bürogebäude und Wohnmöbelausstellung am Heuchelhof
Bürogebäude und Wohnmöbelausstellung am Heuchelhof
Bild: büroforum GmbH
So hat sich durch die aufkommenden Kundenanfragen das büroforum in einen Nischenmarkt für hochwertiges Wohnen entwickelt. 2005 startete der erste Online-Shop mit einrichten-design, der die B2C-Kunden und -Kundinnen ab circa 40 Jahre mit Designanspruch bei der Möbeleinrichtung adressiert. Vor ungefähr fünf Jahren kam der zweite Online-Shop mit einem Fokus auf Businesskunden für Büroeinrichtung hinzu. Weiterhin wurde vom zweiten Geschäftsführer ein zusätzlicher „Shop“ als Idee und in die Umsetzung gebracht: die sogenannte Planungsseite. Hier soll dem potentiellen Kunden eine Online-Innenraumfachplanung zur Verfügung gestellt werden. Ein Teil des sogenannten OFML®-Konzeptes ist schon in Website und Online-Shop integriert, die weitere Integration ist derzeit noch in der Umsetzung.

Digitalisierungsprojekte im Unternehmen

Die im Jahr 2019 neu entwickelte Webseite mit einem Planungskonfigurator hatte das Ziel, das Projektgeschäft bundesweit auszudehnen. Durch die Einführung dieser Planungsseite und die damit digital erzeugbaren Renderings (visuelle Anpassungen und Konfigurationen) bekommt das Unternehmen nun bundesweite Anfragen und Planungsaufträge. Das ist für das Unternehmen der Beweis, dass man vom lokalen zu einem nationalen Händler werden kann. Viele der Möbel und Wohnaccessoires aus beiden Online-Shops büroforum.net (Vertrieb von Büromöbeln) und einrichten-design.de (Vertrieb von Designermöbel und Designwohnaccessoires) lassen sich dank 3D-Funktionen nun im Detail betrachten. Realisiert wird das durch die Einrichtung eines sogenannten OFML®-Panels. Dieses Projekt erfüllt gleich mehrere Kriterien: Schnittstelle zum Hersteller für automatische Produkt- und Preisaktualisierungen, vereinfachte interne Datenpflege und Bestellbearbeitung von individuellen Konfigurationsartikeln sowie verbesserte Darstellung (inkl. lebensechter 3D Renderings) individueller Konfigurationsvarianten für den Kunden. Zudem ist es die Grundlage für zukünftige Augmented-Reality-Anwendungen (geplant für Ende 2020 / Anfang 2021).
3D-Planung
3D-Planung
Bild: büroforum GmbH
So ist die Umsetzung und Integration von OFML®-Daten derzeit das wichtigste Projekt. Die OFML®-Daten-Verwendung ist dabei für das Würzburger Unternehmen nichts Neues. Für den Online-Shop wird es schon genutzt und für die Planungsseite steht die Funktionalität auch schon zur Verfügung. Allerdings ließen sich bisher diese Daten noch nicht beschränken, was für den Kunden viel zu viele Produktvariationen möglich macht. Ein Sessel könnte so in zigtausend verschiedenen Farb- und Materialzusammenstellung konfiguriert werden. Es bestünde damit die Gefahr, den potentiellen Kunden mit der großen Anzahl an möglichen Zusammensetzungen zu überfordern. Beispielsweise gibt es bei einem Tisch bereits 18 Konfigurationsmöglichkeiten. Aus Nutzersicht ist das trotz aller Individualitätswünsche eher abschreckend. Dem soll jetzt mit der Ausarbeitung des Projektes begegnet werden: Der Kunde bekommt eine reduzierte oder empfohlene Auswahl an Konfigurationsmöglichkeiten. So ist es für den Kunden händelbar und er hat trotzdem das Gefühl, „alles“ selbst zu entscheiden.

Nichtsdestotrotz bietet man so immer noch eine breitere Produktpalette als der Wettbewerb an, sogar eine größere Auswahl als bei stationären Händlern. Denn grundsätzlich ist mit der Verarbeitung und der richtigen Anwendung solcher OFML®-Daten alles abbildbar und das noch in einer sehr hohen Qualität (3D-Ansicht und sehr detaillierte Zoomansichten). Die Mission des Unternehmens ist laut Jochen Bähr daher: „…den Online-Einkauf von Möbeln mindestens genauso, wenn nicht interessanter und einfacher wie offline machen zu wollen“. Mit Hilfe der Integration und richtigen Verarbeitung sind dann der visuellen Darstellung kaum noch Grenzen gesetzt. Jedes Möbelstück ist individualisierbar, in 3D-Ansicht verfügbar und kann in entsprechende Erlebniswelten oder Wohnräume eingebunden werden. Außerdem steht es für künftige Augmented-Reality-Anwendungen auch zur Verfügung, d. h. ein Kunde könnte sich die eigens zusammengestellte Designercouch mit Hilfe einer AR-Brille in seinem eigenen Wohnzimmer visualisieren lassen.
Einrichtungsbeispiel
Einrichtungsbeispiel
Bild: büroforum GmbH
Grundsätzlich ist dieses Projekt die Integration eines OFML®-Konfigurators für den Online-Shop und die Planungsseite. Das Tool ist eine Online-Dienstleistung, bei der ein „Online-Berater“ den Kunden beim Kaufprozess unterstützt. „Wir beraten somit online ohne Menschen“, beschreibt Daniel Rüttiger das Tool treffend. Und der Gedanke und das Ziel dahinter ist, eine überregionale Beratungsleistung anbieten zu können. Zusätzlich kann das Unternehmen über diese Dienstleistung und dieses Thema online gefunden werden und es wäre für den Kunden nicht notwendig, sich vor Ort die Möbelstücke anzuschauen. Auch wenn am Ende dann doch wieder ein Mensch steht, der mit dem Kunden Details persönlich bespricht oder Aufträge abwickelt und koordiniert, so ist das Vorgehen und die Nutzung solcher Daten auf die Art und Weise neu.

Motivation zur Digitalisierung und Schaffung von Rahmenbedingungen

Grundsätzlich geht es in diesem Projekt darum, sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen, um überregional agieren und die entsprechenden Kunden gewinnen zu können. „Digitalisierung macht vergleichbar. Also braucht man ein Alleinstellungsmerkmal: Einen Grund dafür, dass die Kunden trotzdem bei einem kaufen, auch wenn man ein paar Euro teurer ist als die Konkurrenz“, wissen die büroforum-Inhaber.

Dem Kunden wird ein Grundprodukt online zur Ansicht gestellt. Die Konfiguration dieses Produktes wird als zusätzliche Dienstleistung angeboten, die der OFML®-Konfigurator erst möglich macht. Wenn es dann doch immer noch nicht ganz das, nach den Wünschen und Vorstellungen eines Kunden, anvisierte Produkt ist, kann der Kunde jederzeit direkt beim Unternehmen anrufen und weitere Konfigurationsmodalitäten abklären. So stehen den Kaufinteressenten alleine 25 Angestellte für die Beratung über das Telefon zur Verfügung. Maßgeblich werden dabei immer noch 40 Prozent des Unternehmensumsatzes nicht über den Shop generiert, sondern über Telefon und E-Mail-Kommunikation. Dieser direkte Kundenkontakt ist auch nach der Umsetzung des OFML®-Projektes gewünscht. Die Motivation ist grundlegend, den Kunden und Auftraggebern eine zusätzliche Online-Dienstleistung anbieten zu können, die einen Mehrwert bei der Beratung und Entscheidungsfindung bedeutet. Einen Mehrwert, den bisher noch kein anderes Unternehmen in dieser Branche leistet.

Zusätzlich motiviert auch das Verständnis über die wachsenden Kundenanforderungen im Zeitalter der Digitalisierung: Man wird von den Kunden auch ein Stück weit in die jeweilige Richtung gedrängt und kann sich daher nicht ausruhen – auch nicht, wenn der Unternehmensumsatz gut aussieht. So stellen sich die Geschäftsführer vom büroforum die Frage, was sie tun müssen, damit sie den Anschluss nicht verlieren und wettbewerbsfähig und erfolgreich bleiben, grundlegend und dauerhaft. Dabei möchte das Unternehmen niemanden kopieren. Sie haben den Anspruch, die ersten sein zu wollen, die eine OFML®/Planungsseite haben und eine Online-Dienstleistung auf dem Level anbieten. Nachahmer werden nicht auszuschließen sein, aber man möchte „immer einen Schritt voraus sein“.

Außerdem bietet die Verwendung der OFML®-Daten viele interne und externe Vorteile, wie automatische Produkt- und Preisaktualisierungen direkt vom Händler, vereinfachte interne Datenpflege, vereinfachte Bestellbearbeitung von individuellen Konfigurationsartikeln, eine verbesserte Darstellung (inkl. lebensechter 3D-Renderings) individueller Konfigurationsvarianten für den Kunden. Zudem bildet sie die Grundlage für zukünftige Augmented-Reality-Anwendungen. Gleichzeitig ergab sich das Projekt, weil es zur Unternehmensphilosophie und dem eigenen Anspruch passt, individuelle Möbel online zu verkaufen und nicht einen „Stuhl von der Stange“ in maximal zwei Farben.

Bei aller Motivation ist aber wichtig, die richtigen Menschen im eigenen Unternehmen zu haben. Viele Innovationen und Verbesserungen entwickeln sich im Laufe der Zeit. Ein Unternehmen lebt von den Menschen, die selbst gute Ideen haben und diese in das Unternehmen einbringen (wollen). So hat auch das büroforum Mitarbeiter, die den Kunden so gut verstehen, dass sie durch tolle Ideen das Unternehmen voranbringen und weiterentwickeln. „Das würden wir alleine gar nicht hinkriegen“, resümieren die Unternehmer einvernehmlich.

Daher sind gerade im Zuge der Umsetzung des „neuen“ Online-Shops und des OFML®-Projektes Mitarbeiter im eigenen Haus notwendig, die sehr viele Freiheiten haben und ein hohes Vertrauen genießen. Sie besitzen auch das notwendige Know-how, das man für die Umsetzung des Projektes u. a. in der Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern benötigt. Früher musste man sich auf die Aussagen von entsprechenden externen Spezialisten verlassen. Jetzt ist man sogar positiv überrascht, dass die Umsetzung störungsfreier und teilweise günstiger verläuft, weil man die Experten im Haus hat. Noch dazu kann man mittlerweile auch eigene Sachen selber übernehmen und braucht nicht mehr die Zulieferleistung von Agenturen. Das erfordert zwar ein Umdenken, ist aber von Erfolg gekrönt: Gute Mitarbeiter mit guter Ausbildung bilden das zweite Standbein bei büroforum.

Herausforderungen

Für das OFML®-Projekt bestand das Problem bei den Datenstandards, die zwar einheitlich sind, aber von den unterschiedlichen Herstellern nicht konsistent gepflegt werden. Diese Sonderfälle musste man nachpflegen und bei der Programmierung berücksichtigen, was zu zeitlichen Verzögerungen führte. So ist es mittlerweile ein wichtiges Auswahlkriterium bei der Auswahl eines neuen Partners geworden: Stellt der Hersteller seine Produkte als OFML®-Daten zur Verfügung und in welcher Qualität tut er das? Allerdings ist das für den breiten Möbelmarkt noch kein signifikantes Thema. Das büroforum ist mit seinen high-end-Produkten in einer Nische und hier im Hochpreissegment unterwegs. In diesem Segment werden die OFML®-Daten auch von den Architekten der entsprechenden Projekte eingefordert. Werden beispielsweise einem Innenarchitekten bei einem großen Bauvorhaben keine OFML®-Daten zur Verfügung gestellt, kann und wird das Produkt nicht eingeplant werden. Bei hohen Auftragsvolumina ist das aber notwendig. So hat auch der Hersteller ein reges Interesse daran, seine Produkte für so ein Projekt anbieten und verkaufen zu können. Das heißt, in diesem Segment gibt es nicht das Problem, überhaupt digitale Produktdaten zu bekommen. Hier gibt es lediglich die Problematik der unterschiedlichen Qualität der OFML®-Daten.

Grundsätzlich ist es sogar so, dass man keine Missionsarbeit leisten musste, weil das Thema bei den entsprechenden Herstellern bekannt und durch die Nutzung in etwaigen Projekten sogar etabliert ist. Wie erwähnt, bezieht sich das auf den Nischenmarkt im hochpreisigen Designersegment. Aber die Idee, diesen Datenstandard für einen Online-Shop zur Abbildung einer Online-Dienstleistung zu nutzen, war neu.
Kommunikationszone büroforum GmbH am Heuchelhof
Kommunikationszone büroforum GmbH am Heuchelhof
Bild: büroforum GmbH
Nun ist diese Idee richtungsweisend und sogar eine logische Konsequenz, birgt aber zwei Herausforderungen: Die Unternehmer müssen sich zum einen Gedanken machen, wo sie sich positionieren und wie sie sich mit dieser Dienstleistung bekannt machen können. Als Vorreiter einer solchen Idee müssen sie zunächst Kunden zu dem Thema finden – denn bisher gibt es so etwas noch nicht. Zum anderen steht dem Erfolg eine gewisse Unsicherheit von der Kundenseite entgegen. Gegebenenfalls traut man dem Unternehmen nicht zu, dass sie solche Projekte auch problemlos planen können. Daher gibt es auch sogenannte Online-Storys, von erfolgreich umgesetzten Projekten, sowie zusätzliche Seminarangebote zum Thema „Neue Arbeitswelten – Wie Sie Mitarbeiter im Veränderungsprozess einbinden und Erfolgsfaktoren fördern können“, um Kompetenz und Beratungsqualität zu vermitteln. Zusätzlich ist es noch wichtig, den Kunden bei aller Flexibilität und Möglichkeiten der Online-Konfiguration nicht zu überfordern. Das ist ein schwieriger Balance-Akt zwischen Individualitätswünschen und Auswahlbegrenzung, den man versuchen muss zu meistern.

Zu guter Letzt gibt es dann noch das Thema Finanzierung: Wie finanziere ich ein solches Projekt? Das Credo vom büroforum ist, dass alles, was unternehmerisch in den letzten 20 Jahren getan wurde, über den Cash-Flow und vorhandenes Eigenkapital finanziert wurde. Gegebenenfalls haben auch die Geschäftsführer zugunsten von Investitionen oder für die Einstellung neuer Fachkräfte zurückgesteckt, und auf eine entsprechende Auszahlung verzichtet. Die Finanzstrategie lautet demnach, dass jedes Jahr am Ende einen Ertrag bringen muss, sonst kann in keine neuen Ideen investiert werden. Dabei sollte man nicht vergessen, „wo sein Platz“ als Unternehmen ist – das büroforum ist und agiert in einer Nische, wo es vermutlich nicht möglich ist, einen gewissen Umsatz zu überschreiten, weil in dem Segment nun mal die Kunden nicht unendlich viel kaufen werden und der Absatz somit begrenzt ist.

Auswirkungen auf das Unternehmen

Durch die Planungsseite erreichen das Unternehmen die Anfragen von potentiellen Auftraggebern nun überregional. Dabei stoßen die Nutzer auf die Dienstleistung, kontaktieren dann das Unternehmen und daraus entsteht dann meist ein Planungsauftrag (vgl. Abbildung 15). Grundsätzlich müssen sie so keine direkte Akquise mehr machen und aktiv an die Unternehmen herantreten, sondern die entsprechenden Firmen oder auch Architekten finden das Unternehmen über das Internet. So erreichte büroforum beim Thema Büroplanungen ein sehr gutes Ranking bei Google und ist hier im Suchmaschinenranking gut aufgestellt.

Beim Thema OFML®-Daten, über die die Produkte im Online-Shop bereits abgebildet werden, ist ein ansteigender Umsatzzuwachs sichtbar. Hinzu kommt ein geringererPflegeaufwand, weil auf die Änderungen von Herstellerseite (jährliche Preisaktualisierung) schnell reagiert werden kann. Durch diese Einbindung ist es möglich, direkt auf die Daten der Hersteller zurückgreifen zu können, um die Daten übermittelt zu bekommen.

Das Konzept ganzheitlich gedacht ist interessant und stellt sich folgendermaßen dar: Beispielsweise kauft ein Zahnarzt eine Vase bei büroforum im Shop und sieht, dass er auch seine ganze Praxis planen und neu einrichten lassen könnte. Über die Vase kommt er vielleicht für eigene zukünftige Projekte – ob jetzt Praxis oder Eigenheim – in Kontakt mit der Dienstleistung vom büroforum. Anders herum genauso: Eine Anwaltspraxis beauftragt das Unternehmen für die Planung der eigenen Büros und kann gleichzeitig die Dekoration und die Beleuchtung mitbestellen. So ergänzen sich die Themen Büroausstattung und Designermöbel sehr gut und führen idealerweise zum Cross-Selling.

Lessons Learned: „Aus der Praxis für die Praxis“

Die Projektumsetzung war rückblickend betrachtet gut durchdacht, auch wenn sich bewusst dafür entschieden wurde, dies noch in einem auslaufenden System aufzusetzen. Für die aktuellen Vorhaben ist das vorhandene System aber nicht mehr ausreichend, weil mit dem vorhandenen Datenvolumen die Performance/Ladezeit zu langsam wird. Aus der damaligen Situation heraus war dieses Vorgehen aber keine Fehlentscheidung – im Gegenteil. Durch die „Übung“ mit der vorhandenen Systemvariante konnten viele Erkenntnisse gewonnen werden, die in das neue Projekt und in die Umsetzung, gerade bezüglich des Umzuges auf ein neues System, eingeflossen sind. Man wusste so genauer, wohin die Reise gehen soll und was die konkreten Anforderungen sind. Bei all dem Vorgehen war ein ganz wichtiger Aspekt, sich auch eigene Fachkompetenz ins Haus zu holen. Weder die Methodenkompetenz noch die Fachkompetenz war vorher durch eigene Mitarbeiter gewährleistet. Die Idee war da und konnte klar definiert werden, doch auch in der Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern und Agenturen braucht man das fachliche Know-how im eigenen Unternehmen. Eine wesentliche Erkenntnis war, dass nur „Zukaufen“ nicht ausreichend und schon gar nicht erfolgversprechend ist.

Der digitale Wandel im Unternehmen: ein Ausblick

Aktuell planen die Geschäftsführer, weitere Marketingkanäle zu erschließen, z. B. LinkedIn oder Xing. Hier ist man bereits in der Aufbauphase und möchte versuchen, über Fachartikel Aufmerksamkeit zu erregen. Die Zielgruppe sind Führungskräfte im Personalbereich und Geschäftsführer in gehobenen mittelständischen Unternehmen.

Parallel soll die Zielgruppe, die die Kaufkraft und das Interesse für Designermöbel hat, mehr für die Produkte emotionalisiert und damit höheres Kaufinteresse geweckt werden. Das wäre im Online-Shop mit Hilfe der Abbildung sogenannter Erlebniswelten möglich. Im Zuge dessen sollen beide vorhandenen Online-Shops auf ein neues System umgezogen werden, um auf den neuesten Stand der Technik zu kommen und die geplanten Projekte zumindest systemtechnisch störungsfrei umsetzen zu können. So können dann auch die Erlebniswelten entsprechend online dargestellt und ausgebaut werden.

Im Zuge des OFML®-Daten-Projektes ist es nur die logische Konsequenz, aus den vorhandenen Daten Augmented-Reality-Features zu machen. Das ist für Anfang 2021 geplant, wenn die Online-Shops problemlos auf dem neuen System laufen. Hinzu kommen Themen der Prozessoptimierung in verschiedenen Bereichen, in denen das Level der Digitalisierung weiter vorangetrieben werden soll. So gibt es genug neue Projekte, die im Zuge der Unternehmensentwicklung geplant sind und angegangen werden, mit dem Ziel: „Wir sind in einer Nische und wollen dort zu den Besten gehören.“

Quellenangabe: 

Digitale Champions im bayerischen Einzelhandel von Manuela Paul und Johann Faltermeier
Digitalisierungsstrategien und Erfolgsfaktoren kleiner und mittelständischer Einzelhändler in Bayern – Praxisbeispiele – (S. 1, 17 – 27)
ibi research an der Universität Regensburg GmbH, Galgenbergstraße 25, 93053 Regensburg, https://www.ibi.de

Die komplette Publikation finden Sie kostenlos zum Download unter:
https://www.stmwi.bayern.de/fileadmin/user_upload/stmwi/Publikationen/2020/2020-07-09_DigChampions_im_bayer_Einzelhandel.pdf